Diskussionsabend zur „Herausforderung Energiewende“

Das Thema einer nachhaltigen Energienutzung ist angesichts der Atomkatastrophe in Japan, dem nun forcierten Atomausstieg in Deutschland und dem Atomreferendum in Italien aktueller denn je. Aus diesem Anlass organisierten das Ökoinstitut Südtirol und der Dachverband für Natur- und Umweltschutz im Juni 2011 einen Informations- und Diskussionsabend an der Universität Bozen zum Thema „Energiewende“. Unterstützt wurde die Veranstaltung von der Freien Universität Bozen und der Stiftung Südtiroler Sparkasse.
Referenten waren Rainer Grießhammer, Geschäftsführer des Öko-Institutes in Freiburg und Träger des deutschen Umweltpreises 2010, sowie Andrea Gasparella, Professor an der Fakultät für Naturwissenschaft und Technik an der Universität Bozen.

„Ein durchschnittlicher europäischer Haushalt verbraucht 300 - 400 Kilowattstunden Strom pro Jahr nur für den Standby-Betrieb von Elektrogeräten, während 600 Millionen Inder gar keinen Stromanschluss haben. Diese 300 – 400 Kilowattstunden würden reichen, um einem kleinen indischen Haushalt Strom für Licht, Kühlschrank, Radio und Fernsehen zu geben“, erklärte Rainer Grießhammer in seinem Vortrag und zeigte damit das weltweite Ungleichgewicht auf, das es derzeit beim Energieverbrauch gibt. Man müsse den Schwellenländern zugestehen, ihre industrielle Entwicklung voranzutreiben, um einen ähnlichen Lebensstandard wie wir zu erreichen. Während die Emissionen in den Entwicklungsländern also noch steigen werden, müssen die Industrieländer ihre CO2-Emissionen massiv senken, damit das Ziel einer spürbaren Verringerung der weltweiten CO2-Emissionen erreicht werden kann.
Dies gelinge nur mit der Energiewende: Generell müsse Energie eingespart bzw. intelligent genutzt werden, der Restbedarf müsse mit erneuerbaren Energien abgedeckt werden.
„Ich selbst spare in meinem Haushalt jedes Jahr 500€ an Stromkosten, weil ich bereits seit Jahren immer die energieeffizientesten Geräte kaufe“, so Rainer Grießhammer. Für das Gelingen der Energiewende sei vor allem eine Stärkung der regulativen Rolle des Staates wesentlich. Denn das Beispiel der Befreiung von der Mineralölsteuer für Flugbenzin zeige, dass es von politischer Seite noch viel zu tun gebe. Auch werde der Preis von Atomstrom künstlich klein gehalten, weil die Atomkraftwerke u.a. für Unfälle nicht versichert sind.

Professor Andrea Gasparella zeigte in seinem Vortrag über „Erneuerbare Energien und die nukleare ‚Alternative‘ in Italien: Eine Analyse“ vor allem die energetische Situation in Italien auf. Neben ökologischen und ökonomischen Faktoren bei der Energiebereitstellung sei auch die Versorgungssicherheit zu berücksichtigen. Hier gebe es bei manchen Energieträgern Schwankungen, Solarstrom könne z.B. nicht bei Nacht hergestellt werden.

In der folgenden Diskussion wurde deshalb auch über die Möglichkeit von Energiespeicherung (z.B. Pumpspeicherwerke) gesprochen. Neben der Notwendigkeit zur Energiespeicherung wurde auch erwähnt, dass verstärkt die Nachfrage gesteuert werden sollte. Dies sei z.B. durch die stundenweise Abschaltung von besonders energieintensiven Industriebranchen wie etwa der Aluminiumerzeugung durchaus möglich. Atomkraft sei für den Klimaschutz jedenfalls ohne Bedeutung, da sie weltweit ohnehin nur 2% der Energieerzeugung ausmache.

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